Bericht zum Kirchenmusikfest in Celle
TEIL 1: “Das Evangelium ist Kampfansage, nicht Zuckerguss”
SELK: Bezirkssängerfest in Celle
Celle, 28.9.2009 – selk – Gemeinsam mit der hier beheimateten Mariengemeinde feierte gestern der Kirchenbezirk Niedersachsen-Süd der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) den Gottesdienst seines Kirchenmusikfestes in der Stadtkirche in Celle. Die Liturgie wurde gestaltet im Zusammenwirken von Gemeinde, Singchor und Instrumentalmusizierenden. Superintendent Markus Müller, Pfarrer im Pfarrbezirk Celle-Lachendorf der SELK, benannte als Inhalt des vorweggenommenen Michaelisfestes einen längst entschiedenen Kampf – dieser habe ganz andere Dimensionen als der Wahlkampf zur Bundestagswahl, die am selben Tag stattfand.
Die Epistel-Lesung aus der Offenbarung (Kapitel 12, Verse 7-12a) kam als Gesang zur großen Festgemeinde: Im Werk von Heinrich Schütz (1585-1672) “Es erhub sich ein Streit im Himmel” stritten die vielen Stimmen – einträchtig – gegeneinander, um sich schließlich zur himmlischen Freude zu vereinen. Im Graduallied “Herr Gott, dich loben alle wir” sangen Gesamtchor und Gemeinde nach verschiedenen Sätzen von der großen List des Teufels und von dem größeren Schutz der Engel.
Im Predigttext (Lukasevangelium, Kapitel 10, Verse 17-20) stehe kein Wort von Engeln, räumte Pfarrer Walter Hein (Rodenberg) ein. Die Engel stünden eher versteckt hinter den Erlebnissen der Jünger. “Das Michaelisfest ist zutiefst Christfest”, führte er aus. “Es ist keine offene Frage, ob alles zum Teufel geht und wir mit – oder ob die Engel uns hindurchbegleiten ins Paradies.” Das Evangelium sei “Kampfansage, nicht Zuckerguss”. Gott stelle jeden von uns an seinen Platz. Und “wo wir uns ihm zur Verfügung stellen, wird der eine und andere von uns zum Engel werden – ganz ohne Flügel.”
Auch im weiteren Verlauf war der Gottesdienst unter der Gesamtleitung von Antje Ney (Hanstedt/Nordheide) und Carsten Crüger (Bremen) musikalisch reich ausgestaltet. Er mündete in das “Amen” von John Rutter (*1945).
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TEIL 2: “Gottes Boten zeigen, wie es weitergeht”
SELK: Kirchenmusikfest Niedersachsen-Süd in Celle
Celle, 28.9.2009 – selk – Die Stadtkirche zwischen Fachwerkhäusern in der Altstadt von Celle bot Raum für die “Geistliche Chormusik” am Nachmittag des gestrigen Kirchenmusikfestes des Kirchenbezirks Niedersachsen-Süd der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK). 700 Jahre steht dieses Gotteshaus, und kirchenmusikalische Werke aus dieser gesamten Zeitspanne kamen zu Gehör. Im Vorgriff auf das Michaelisfest am 29. September war das Thema ausgewählt: “Engel Gottes”.
Viele kirchenmusikalisch aktive Gruppen des Bezirkes waren beteiligt: der aus 80 Sängerinnen und Sängern der Gemeindechöre gebildete Gesamtchor, die Lutherische Bläsergruppe unter Wolfgang Knake (Lage), ein von Ute Rabe (Bielefeld) geleitetes Blockflötenensemble sowie aus Hannover die Bethlehem Voices mit Band, dirigiert von Susanne Gieger (Hannover). Matthias Müller (Groß Oesingen) ließ die Orgel in das Lob der Engel einstimmen. Und auch der Kinderchor unter Susanne Quellmalz (Königsee) sang und musizierte von den Engeln: Lebendig und engagiert vermittelten die Kinder, wie Engel heißen, aussehen, “zeigen, wie es weitergeht”, und wie wir einander zu Engeln werden können. Anschließend gingen die Nachwuchstalente gemeinsam mit der übrigen Kinderschar in die Kinderbetreuung, die wie der morgendliche Kindergottesdienst von einem Team um Alexandra Hoppenstedt (Celle) gestaltet wurde.
Mit den “Worten zum Thema” führte Pfarrer Bernd Hauschild (Osnabrück) durch die gut besuchte Nachmittagsveranstaltung. Engel kämen in der Weihnachtsgeschichte gehäuft vor, doch die Menschen, denen sie begegnen, würden meist erschrecken, wenn plötzlich das Licht der Engel “alles sichtbar macht, auch die dunklen Flecken in meinem Leben”. Deshalb müsse erst einmal gesagt werden: “Fürchtet euch nicht.” In diesem Fall wurde das natürlich gesungen, wie auch die weiteren Inhalte der weihnachtlichen Botschaft.
“Engel entschleunigen unser Leben, die sind für unseren Alltag da”, das zeigte Hauschild an biblischen Beispielen: Der Engel, der Petrus im Gefängnis weckt (Apostelgeschichte 12), fordert ihn erst einmal auf, sich Stück für Stück anzuziehen: Gürtel, Schuhe, Mantel. Der Engel im Alten Testament, der Elia unterm Wachholderstrauch weckt, fordert ihn erst einmal auf, zu essen und zu trinken. Gottes Engel brächten uns auf den Weg. Der sei oft zunächst unklar, doch wie in der Ostergeschichte könnten wir losgehen und über Leid und Schmerz hinaussehen, um schließlich beim Jubel über die Auferstehung anzukommen. Und dieser Osterjubel erklang dann in verschiedenen Variationen und riss die Festgemeinde mit.
“Engel haben etwas mit Gottvertrauen zu tun”, so hieß es am Ende des Themas. Wir dürften darauf vertrauen, dass uns Engel begegnen, dass Gott uns führt und leitet und dass jeder von uns auch Engel sein kann. Das geschehe oft ganz unaufgeregt und ohne Absicht – einfach durch die schlichte Lebensäußerung von Christinnen und Christen. Diese Inhalte und erneutes Gotteslob erklangen in modernen Melodien und Rhythmen, und alles mündete schließlich ein in das strahlende Gloria in D-Dur aus dem Magnificat von Johann Sebastian Bach (1685-1750).
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Zwei Berichte von selk_news